






Nach 1924 festigen sich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland. Die Deutsche Mark ist wieder stabil, die Inflation von 1922/23 aus dem Zentrum des nationalen Bewusstseins gerückt. In dieser Zeit der zunehmenden Konsolidierung erwächst "der Wunsch, die Dinge objektiv zu behandeln, so wie sie sind, ohne in ihnen eine ideelle Bedeutung zu suchen" (Gustav Friedrich Hartlaub). Bewusst kehrt man dem artifiziellen Charakter des Expressionismus und seiner düsteren Figurenzeichnung den Rücken und wendet sich "verstärkt der Außenwelt zu und verlegt die Betonung von Geistererscheinungen auf Zeiterscheinungen, von imaginären auf natürliche Landschaften" (Siegfried Kracauer).
Die Entwicklung, die den Autor Carl Mayer bereits in der ersten Hälfte der 20er Jahre zum Kammerspielfilm geführt hatte, vollzieht Georg Wilhelm Pabst, Regisseur an der Neuen Wiener Bühne weiter und wird der bedeutenste Vertreter des neusachlichen Films.
Im sogenannten Querschnittsfilm tritt der Unterschied zum Kammerspielfilm deutlich zutage: Im Zentrum der Filme steht nicht mehr das Individuum, sondern die Gesellschaft selbst; der Einzelne ist nur insoweit interessant, wie sich das Gros der Gesellschaft in seinem Schicksal spiegelt.
Auch gestalterisch bedeutet die Neue Sachlichkeit einen wesentlichen Fortschritt. Ihre Filme sind betont dynamisch montiert, greifen auf Archivmaterial zurück oder verzichten gar gänzlich auf fiktive Handlung. Zu einem programmatischen Aspekt der Neuen Sachlichkeit wird ebenso die Aufwertung eines Gegenstandes oder Ortes zum handlungsbestimmenden oder gar "handelnden" Element.
[Neu: Zitieren] [Versenden] [Drucken]