



Gegen Ende der sechziger Jahre, mit dem Aufstieg des deutschen Autorenfilms, entsteht im deutschen Kino ein Vakuum an Unterhaltung, das in den siebziger Jahren insbesondere durch zwei Filmreihen gestillt wird: Verfilmungen der erfolgreichen Unterhaltungsliteratur von Johannes Mario Simmel befriedigen das Bedürfnis nach bewegenden Melodramen, eine Serie von Erotikfilmen das Verlangen nach mehr Sex im Kino, das die sexuelle Revolution der vergangenen Jahre in der Nation geweckt hat. Vielmehr als in anderen Ländern, Frankreich etwa, oder auch Italien, ist der deutsche Erotikfilm bei aller sexuellen Befreiung noch immer unübersehbar verklemmt, ein Erbe der Adenauer-Ära womöglich, die den Prozess der Enttabuisierung zu schnell hinter sich gebracht hatte, als dass er in der breiten Masse einen wirklichen Mentalitätswandel bewirkt hätte. Im Allgemeinen rechtfertigen die Sexfilme der siebziger Jahre ihre Freizügigkeit noch immer durch einen Aufklärungsanspruch, der die ersten Produktionen auch in der Tat motivierte, sich aber bald verwirkte: Auf einen 1967 von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Aufklärungsfilm, Helga, folgen die Aufsehen erregenden Filme von Oswald Kolle, nach deren enormen kommerziellen Erfolg sich auch solche Produzenten dem Erotikfilm zuwenden, die von den Errungenschaften einer jungen Generation des Protests profitieren wollen. Paradigmatisch für die siebziger Jahre ist die dreizehnteilige Serie Schulmädchen-Report, die sich jung und fortschrittlich gibt, tatsächlich aber vorallem Altherrenphantasien befriedigt. Doch auch die Simmelverfilmungen, wenngleich sie im Bereich der Unterhaltungsliteratur ein gewisses Renommee haben und hinsichtlich ihres Niveaus zu dem Besten zählen, was das deutsche Unterhaltungskino dieser Jahre zu bieten hat, greifen das Interesse an Themen erotischer Art auf, erzählen Beziehungskisten im Milieu der Reichen, vielfach geht es darin um Ehebruch, um hoffnungs- und zukunftslose Liebschaften. Während der Autorenfilm als Neuer Deutscher Film auf ausländischen Filmfestivals renommierte Preise gewinnt, indentifiziert sich die überwältigende Mehrzahl der Kinogänger im eigenen Land kaum mit den ambitionierten Projekten; so ist der Erfolg der Unterhaltungs- und Trivialfilme in den siebziger Jahren auch ein Dokument für die allgemeine Publikumsferne des Neuen Deutschen Films.
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