
Die Brüder Lafitte gründen die Compagnie des Films d'art, die fortan Filme produzieren will, die ein gehobenes, bürgerliches Publikum ansprechen. Denn dieses war bislang nicht sehr für die Schaubudensensation Film zu begeistern und eben das wollen sie ändern. Das Konzept der Brüder Lafitte ist schlicht: Ihre Filme sollen literarische oder historische Themen aufgreifen (vorzugsweise Glanzstunden nationaler Geschichte) zu denen namhafte Schriftsteller oder Theaterautoren die Drehbücher schreiben. Als Publikumsmagnet sollen bekannte Theaterschauspieler wirken. Und um das Ganze mit angemessener Würde zu umgeben, sollen die Filme zumindest ihre Uraufführung in repräsentativen Kinos erleben. Trotz des großen Erfolges der ersten Film d'Art-Soiree in Paris können die Filme nicht lange begeistern. Sie orientieren sich zu sehr am Theater und wirken mit ihrer statischen Kamera, den bühnenartigen Kulissen und der stilisierten Gestik der Schauspieler bestenfalls wie eine unzulängliche Kopie. Der Film d'Art, in der Filmgeschichte oft inkorrekt als Kunstfilmbewegung bezeichnet (er war eine rein unternehmerische Idee), wird schon 1912 über seine künstlerische Schwäche in die Hinfälligkeit stolpern, als Pathé eine publikumswirksamere Bearbeitung von Victor Hugos "Les Miserables" veröffentlicht.
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