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Kino-Glas (Film-Auge)

Gemäß dem kommunistischen Prinzip wird die verstaatlichte Filmproduktion in Arbeitsgruppen eingeteilt. Der Dokumentarfilmer Dziga Vertov gründet die Gruppe Kino-Glas (Film-Auge), die schon bald die bedeutendste sein wird. Von den aktuellen futuristischen Strömungen deutlich beeinflusst, verfasst Wertow mehrere Manifeste zum Film und kommt zu der Auffassung, dass jegliche Form der Inszenierung zu eliminieren sei. Er gelangt so zum reinen, im Optimalfall mit versteckter Kamera gedrehten Dokumentarfilm. Doch so puristisch wie seine Manifeste klingen mögen sind die Filme Vertovs nicht: Er perfektioniert seinen Umgang mit der Montage, setzt Vorschauen und Rückblenden ein. Auf diese Weise könne, nach Vertov, der Film nicht nur ein bloßer Spiegel des Lebens, sondern "Organisation des Lebens selbst" sein – ganz im Sinne des russischen Konstruktivismus. Demzufolge soll Kunst das Leben nicht nur beschreiben, sondern es durch technisch-naturwissenschaftliche Denk- und Gestaltungsprinzipien neu aufbauen. In der Tat arbeitet Vertov wie ein Ingenieur: In genauer Kenntnis der Dauer jeder einzelnen Szene fügt er diese zu mathematisch präzisen, rhythmischen Skalen zusammen. 1922 entsteht unter seiner Leitung die Monatsschau "Kino-Prawda" (Film-Wahrheit) und mit ihr eine neue Filmform: Über den reinen Informationszweck der Wochenschau hinausgehend montiert Wertow das Rohmaterial zu einem umfassenden publizistischen Blick auf den zurückliegenden Monat.

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Stand: März 2010