



Nicht nur sieht sich der sowjetische Film in den dreißiger Jahren der ständigen wirschaftlichen Neuordnung von Seiten des Staates ausgesetzt; auch drängt der Staat zunehmend in die Gestaltung der Filme vor. Der erste große Schritt in diese Richtung ist der Beschluss, den sozialistischen Realismus als Parteirichtlinie der KPdSU zu zementieren. Schon im Zuge des ersten Fünfjahresplanes wurde von den Künsten eine aktive Mithilfe am sozialistischen Aufbau verlangt. Was fortan zählt, ist einzig der politische Gehalt des Werks, über den sich seine künstlerische Bedeutung definiert. Der Realitätsbegiff ist hier letztendlich gleichbedeutend mit Ideologie – an die Stelle der Revolutionsthemen, die den sowjetischen Film bislang dominierten, sollen fortan Themen der Gegenwart, aus ideologischem Blickwinkel betrachtet, treten. Bereits 1932 verfügt die sowjetische Regierung eine Auflösung sämtlicher selbstständiger literarischer Gruppierungen und stellt an ihre Stelle einen sowjetischen Einheits-Schriftstellerverband. 1934 wird der sozialistische Realismus Bestandteil der Satzung und so allen Mitgliedern aufgezwungen. Man erhofft sich davon Werke, die "durchdrungen [sind] vom heroischen Kampf des Weltproletariats" und welche die "große Weisheit und den Heroismus der kommunistischen Partei widerspiegeln".
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