












Bereits in der Folge der Wirtschaftskrise wandten sich die amerikanischen Filme mit dem Genre des Gangsterfilms in den dreißiger Jahren der Kehrseite des "American Dream" zu. Doch obgleich die Filme sich sozialen Misständen annahmen, entsprachen sie doch noch immer der konventionellen Weltordnung durch das Gute und das Böse. In den vierziger Jahren setzt den Amerikanern die Kriegserfahrung zu; einmal mehr spiegelt sich das kollektiv empfundene Gefühl bedrohter Sicherheit in den amerikanischen Filmen. Doch "anders als in den Gangsterfilmen der Depressionszeit setzen sich die heutigen weniger mit sozialen Mißständen als mit psychologischen Abirrungen auseinander. Diesmal ist das Unvermögen des Films, Lösungen zu bieten oder anzudeuten, besonders auffällig; die alles ergreifende Angst, die die geistige Gesundheit des Durchschnittsmenschen bedroht, scheint als unvermeidlich und beinahe unerforschlich angenommen zu werden." (Kracauer 1974, 30) Die Helden des Film Noir sind nicht mehr jene bemerkenswerten Figuren, die sich einfach nur auf die falsche Seite geschlagen haben, sondern gescheiterte Existenzen, korrupt und intrigant, nicht selten gar Repräsentaten staatlicher Autorität.
Es wurde vielfach festgestellt, dass die Wurzeln des Film Noir im deutschen expressionistischen Film liegen, lotete man doch schon hier die Verführbarkeit und Verderblichkeit der menschlichen Natur aus. In der Tat ist sein Einfluss unbestreitbar, zumal mehrere aus dem deutschsprachigen Raum emigrierte Regisseure den us-amerikanischen Film dieser Zeit entscheidend mitprägten: etwa Billy Wilder, Fritz Lang, Anatole Litvak, Robert Siodmak und Fred Zinnemann. Als der erste Film, der die Stilmerkmale, die sich bald zu den ästhetischen Konventionen des Film Noir verfestigen sollten, ist John Hustons Die Spur des Falken (1941) anzusehen.