









Das Amerika der sechziger Jahre sieht sich tief greifenden Umwälzungen ausgesetzt, die auch das angeschlagene Filmwesen nicht unbeeinflusst lassen. Protestwellen, die eine Gleichstellung Farbiger fordern oder sich gegen den Vietnamkrieg stark machen, bewegen das Land. Nach der Ermordung John F. Kennedys 1968 ist das Land traumatisiert und zerrissen. Das Kinopublikum reduziert sich fortlaufend, Produktionsfirmen geraten durch vermeintlich publikumswirksame Großproduktionen an den Rand des Ruins. Den Erwartungen des nun deutlich jüngeren Kinopublikums, das zunhemend das wachsende Angebot an Autokinos nutzt, stehen sie völlig ratlos gegenüber. Benötigt werden neue Konzepte, an die sich Roger Corman als einer der ersten heranwagt. Schon seit Mitte der fünfziger Jahre produzierte er so genannte B-Movies, die in erster Linie sehr preiswert waren. In den sechziger Jahren verpflichtet er zu geringer Entlohnung die jungen und nach Aufträgen suchenden Schauspieler Jack Nicholson, Peter Fonda und Bruce Dern, sowie die Regisseure Francis Ford Coppola, Martin Scorsese und Peter Bogdanovich. Viele von Ihnen haben gerade ihr Filmstudium absolviert, in dessen Rahmen sie mit den Filmen europäischer Regisseure in Berührung gekommen sind. Überhaupt erleben Arthouse-Kinos, die künstlerisch ambitionierte, europäische Produktionen zeigen, in diesen Jahren einen deutlichen Aufschwung. In der Produktion Hollywoods spiegelt sich diese Entwicklung in einer deutlichen Hinwendung zu ambitionierten Filmen, wenngleich sie sich vom Genrekino kaum löst. Vielmehr werden traditionelle Genres nun persönlich interpretiert, wodurch der amerikanische Film auf seine Weise dem in Europa aufkommenden Autorenfilm folgt. Alltagsthemen ("stories next door"), wie Beziehungs-, Drogen- und Krimialitätsprobleme, häufig als Ausdruck eines Generationskonflikts, rücken ins Zentrum des Interesses und werden im amerikanischen Kino erstmals nicht als reißerische Sensation missbraucht.
"In der Entwicklung des New Hollywood kann man drei Phasen unterscheiden: Die Versuche zur Erneuerung, die Regisseure wie Cassavetes, Penn, Peckinpah, Frankenheimer und Mulligan, auch Coppola und Altman schon Anfangs der sechziger Jahre unternahmen; die Hochblüte zwischen 1969 und 1971, ausgelöst von Dennis Hoppers Easy Rider (1969) eine Phase, in der auch Peter Bogdanovich und Martin Scorsese debütierten, und schließlich eine wieder mehr der Industrialisierung zugeneigte Phase in den siebziger Jahren, für die die Filme von Schatzberg, Spielberg und Friedkin charakteristisch sind" (Gregor 1983b, 527). In dieser letzten Phase werden die Produktionen des New Hollywood kommerziell erfolgreicher als es frühere je waren. Ab 1976 werden sie die Gier der Produzenten, wie einst mit Großproduktionen kalkulierbare Erfolge zu erzielen, erneut wecken.